Das hauchfeine Zitterne in der Morgendämmerung.

Seine Hand zitterte auf ihrem Bauch und er atmete Luft an ihr vorbei ohne dass er sie küssen wollte. Daran dachte er nicht mehr. In ihm schäumt es vor Krankheit er weiß nicht wie er sich ausser mit Guter Laune davon lossagen kann und sie liegt da und heult unsichtbare Angsttränen in sich hinein ein nasses Grab einsam und dunkel verlassen von allen guten Geistern. Liegt am Boden und klammert sich an seinem Herzschlag fest.
15.10.07 20:47


 

Es ist so dunkel auf dem Gehweg, dass ich nicht erkennen kann ob ich unter meinem schwermütigen Gang auf herumkriechende Nacktschnecken trete oder ob es nur kleine Ästchen sind: Es ist keine Nische mehr für Mitleid übrig.

Alles was ich an Gefühlen besitze ist wertlos, sie werden in den nächsten Sekunden wieder von Müdigkeit ertränkt. Ich möchte weinen, aber es geht nicht. Die Tränen schlucke ich wie ein braves Mädchen so lange hinunter bis sich in meinem Bauch ein dicker Klumpen bildet, der die halbe Nacht nicht weggehen wird und ich immer müder werde und der Klumpen immer dicker, immer dicker, immer schwerer, er verursacht Übelkeit, ich weiß dass es nicht gesund ist.

 

Aber ich muss gesund bleiben, obwohl ich am liebsten mit einer Erkältung als Ausrede die ganze Zeit schweigend allein herumliegen wollen würde.

 

oh wärst du da.

Mit dem Gefühl, mich selbst verleugnet zu haben, gehe ich zu Bett.

 

30.8.07 21:47


Damals, es war ein Impuls, ich weiß es, da hast du nicht lange nachgedacht, ich habe nicht nachgedacht, es war schön, es war ein Impuls. Die Funken sprangen zwischen uns hin und her, electric blue, wunderschön, du küsstest mich und nahmst meine Hand und blicktest mich lange an und ich badete in deinen Augen. Das ist lange her.

Es kommt mir vor als wäre es gestern gewesen.

 

Du kamst mir mit ausgebreiteten Armen und ausgebreitetem Lächeln entgegen, locktest mich in deine Seele und hältst mich dort gefangen. Dort bin ich zuhause.

Es war gestern.

 

Es war ein Impuls. 

24.8.07 11:56


Neues Blut

Das Blut

rauscht durch

deine Adern

ist nicht deines

ist nicht meines

fremdes Geschenk

bei glänzenden Augen und

schnell Schritt

Das Blut 

rauscht durch

und durch

ist fremdes

ist deines.

ist meines.

unser. 

23.8.07 11:03


Auf dem Weg

(Du bist fort. Aber ich bleibe bei dir.)

Auf dem Weg zu dir finde ich eine tote Libelle, die Flügel noch ganz heil, der Körper glänzend, verweht vom Wind.

Rot und starr schwebt es über dem Eingang und es sitzen kettenrauchende Untote darunter, mit neidischen Blicken auf das Lächeln, das um meinen Mund tanzt. Sie sind neidisch auf die Lebenden, auf die Gesunden, mit zwei Beinen und gutem Appetit. Sie haben sich aufgegeben. Aber du dich nicht.

(Ich komme dir näher.)

Der Geruch von angefüllten Kathederbeuteln und übervollen Bettpfannen mischt sich mit dem scharfen Geruch des Desinfektionsmittels und Arznei. Das Essen wird gebracht, es riecht nach Fußschweiß. Du isst es gerne, weil du dich freust noch essen zu können.

Die Tür steht immer offen. Die Frau stöhnt vor Schmerzen, kann sich nicht winden, will schlafen und sterben, bekommt Morphium. Täglich. Viel. Bald noch mehr. Sie stöhnt weiter und hat Schmerzen.

Vom Kummer gezeichnete Frauen mit Kopftüchern und großen Taschen kommen mir entgegen, verschwinden in Aufzügen, Zimmern, Treppenhäusern, Eingängen, Aufenthaltsräumen. Sie pflegen ihre Männer. Genau wie ich dich pflegen werde.

(Ich glaube, man nennt es Liebe.)

Und da liegst du. Allein, von Bauchschmerzen gequält. Ich weiß nicht mal ob du froh bist mich zu sehen oder ob ich dich und deinen Zimmernachbarn nerve. Mit meiner Fröhlichkeit. Mit meiner Nettigkeit. Mit meiner Gesundheit.

(Ich bleibe.)

Während ich dir den Arm streichle, frage ich mich ob wir das überstehen. Gemeinsam. Allein. Du und ich. Werden wir es schaffen?

Ich verabschiede mich und gehe.

 

(Ich nehme dich mit. Immer. Weil wir es schaffen.)

 

Du bleibst bei mir. Und die Libelle weht im Wind.

19.8.07 20:44


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